Parashop Kössen

Jakob Schrödel

Jakob Schrödel

Alter: 35 Jahre

Wohnort: Wien

Hauptdisziplin: Hike&Fly, Bordairrace, Streckenflug, Klettern, Climb and Fly

Bester Trainingspartner: Ina

Vor ein paar Jahren gab es für Jakob nur die Felsen und das Reisen rund um die Welt um zu klettern. Er kletterte Routen bis zur Schwierigkeit von 8c (UIAA 11-) und Boulder bis zu 8A, ehe ihn unerwartet aber doch ein anderes Virus infizierte. Ein Freund ließ ihn nach einer gemeinsamen Skitour am Hochkönig die Piste ein Stück hinunter fliegen. Kurze Zeit später hatte Jakob den Schein.

Jakob fliegt erst seit drei Jahren, konnte aber heuer schon mit einem Ozone Swift (EN-B) aus dem Parashop 120km FAI im Mölltal und einen 146km weiten Flug von der Hohen Wand fliegen.

 

Du konntest heuer einen weiten Flug von der Hohen Wand bis ins Ennstal machen, wie ging das?

Ja, ich konnte endlich einmal von der „Wand“ auf Strecke gehen. Meine vorigen Versuche scheiterten meist schon bei der ersten Querung zum Schneeberg, die allerdings auch bei diesem Flug eine Crux war. Ich las die Wetterberichte am Vortag und war mir sicher dass es ein hervorragender XC-Tag sein müsste. Als ich am Startplatz dann die ganzen Streckencracks inklusive Teamkollegen des PARASHOP RaceTeams Gerald (Gold) traf, war ich schon sehr sicher dass was gehen müsste. Ich war mit zwei Freunden ebenfalls auf Ozone Swifts unterwegs und Gerald auch mit zwei Kumpels auf gestreckteren Schirmen. Wir taten uns mit den Funkgeräten zusammen und so konnten wir ein paar wichtige Infos von den erfahreneren Piloten ergattern, was gleich beim Start recht wichtig war. Ich wählte trotzdem eine eigene Linie nicht direkt zum Hengst und wurde prompt bestraft. Nach mühsamen Ausgraben im Lee konnte ich endlich zum Schneeberg aufschließen und danach war es eigentlich eine Autobahn. Die Schwierigkeit im Mürztal war eher nicht den Luftraum zu verletzen, was ich nach 4,5m/s Steigen mit angelegten Ohren nur mit sehr heftigen SAT/Spiralen verhindern konnte.

Am Hochschwab hatte ich dann noch eine gröbere Baustelle und konnte mich nur mit viel Überwindung noch einmal an die Basis kämpfen. Allerdings lag die dann auf 3600 hm. Danach war es für mich gefühlt nur mehr ein Ausgleiten, ich war bereit jeden Moment zu landen. Im Paltental angekommen, war auch nicht mehr viel Sonne da, es war schon spät und Zirren kamen auf. Hier fand ich aber wieder Motivation und konnte noch einen sehr schwierigen schwachen Bart noch einmal auskurbeln. Bei Rottenmann hätte sich noch die Möglichkeit geboten im Talwind bei der Burg auf zu soaren um es vielleicht bis Liezen zu schaffen. Ich hatte aber genug und landete in Bahnhofsnähe.

Die anschließende Zugfahrt zurück nach Wien tat gut, es gab so viele Eindrücke von dem langen Flugtag zu verarbeiten. Wie aus einer anderen Welt, von einem anderen Planeten fühlte ich mich als ich um Mitternacht durch die Stadt nach Hause ging. Die Straßen waren voll von feiernden Menschen, die von einem Lokal ins nächste hetzten. Ich ging sehr langsam und müde mit meinem großen Flugrucksack an Ihnen vorbei. In meinem Gesicht ein Lächeln von unglaublicher Zufriedenheit.

Du kommst ja eigentlich vom Klettern, ich habe gesehen ihr versucht das Fliegen mit dem Klettern zu kombinieren. Wie geht das?

Klettern ist für mich die absolute Leidenschaft. Ich dachte dass es nie etwas neben dem Klettern für mich geben wird was mich ähnlich fasziniert, doch seit dem ich fliege muss ich meine Ansicht wohl revidieren. Ich möchte weder das Klettern, noch das Fliegen in meinem Leben missen. Momentan ist Fliegen für mich sogar etwas aufregender weil alles neu ist. Insofern ist es für mich nur naheliegend beide Leidenschaften zu kombinieren. Und es gibt ja auch Gegenden bzw. Projekte wo man das sehr sinnvoll machen kann (Chamonix z.B.). Doch so weit sind wir noch nicht. Wir haben heuer nur ein paar Testläufe gemacht. Dazu haben wir einen SingleSkin Tandem mit Leichtgurtzeugen verwendet. An einem schönen Sommertag z.B. sind wir die Route Detonation Boulevard mit dem Schirm am Rücken geklettert und anschließend zum Auto zurück geflogen. Gelernt haben wir vor allem, dass wir eine zu schwere Route gewählt hatten, bzw. zu steil. Die Schlüssellänge selbst war recht plattig mit kleinen Griffen und ließ sich mit dem Zusatzgewicht am Rücken gut klettern, jedoch eine vermeintlich einfachere 6+ Stelle in einem Überhang fühlte sich extrem schwer an.

Fazit: Klettern mit Schirm in leichtem bzw. flachem Gelände oder per Seil in einem robusten Rucksack („Haul-Bag“) nachziehen.

Jedenfalls freuen wir uns bereits auf nächsten Sommer um wieder etwas von der Routenliste ab zu haken!

Backoffice im Race – Daily business des Supporters

Ina, Jakob’s Frau antwortet:

Wenn man glaubt der Supporter kann sich einen Lenz machen dann irrt man sich gewaltig. Zumindest wenn man es ernst meint und seinen Athleten wirklich weiter bringen will. Dann geht das nämlich weit über Essen bringen und hier und da nach dem Rechten sehen hinaus.

Mein Anspruch ist viel höher und Jakob sieht mich auch als Teil des Teams und somit des Erfolges. Das beginnt schon bei den Vorbereitungen. Auch da muss ich mich mit vorbereiten, Karten studieren und über mögliche Taktiken und Flugrichtungen philosophieren. Ich muß die Täler und Startplätze kennen um dann beim Rennen immer einen Schritt voraus bleiben zu können.

Wenn es dann los geht habe ich es vielleicht noch in den ersten Stunden etwas entspannt wenn es eben dahin geht, doch ich versuche normalerweise jeden Anstieg mit zu gehen. Dann kann ich Jakob noch etwas Extra-Gewicht abnehmen indem ich Gewand und Wasser schleppe. Ich habe meinen Bergschirm dabei, spiele Thermikdummy und fliege dann zurück zum Auto. Danach heißt es dran bleiben! Verpflegung vorbereiten, Wetter und Livetracking im Auge behalten, kommunizieren und hinterher fahren. Absolutes Multitasking. Meistens passiert etwas Unerwartetes und die Taktik und das nächste Ziel ändert sich. Ständig. Bei gutem Flugwetter gibt es vielleicht auch dazwischen eine Phase wo ich etwas lesen oder schwimmen gehen kann, aber wissen tut man das nie. So oder so werden die Tage recht lang und auch die Anzahl der Höhenmeter kann recht groß werden. Da ist es dann ein gutes Gefühl den nächsten Anstieg auch mal aus lassen zu können. Am Ende des Rennens, wenn ich Jakob in die Dusche humpeln sehe, hält sich mein Neid meistens in Grenzen. Doch wer weiß, vielleicht tauschen wir die Rollen ja einmal?!

Scroll to Top