Parashop Kössen

Alexandra Teufel

Alexandra Teufel

1) Hotspots für H&F Österreich:

Meine Lieblings – H&F Berge sind nicht die sogenannten „Hotspots“, sondern eher unbekanntere Berge. Wo die Gipfel noch nicht überlaufen und weder mit dem Auto, noch mit der Bahn erreichbar sind.

Mein Hausberg, der Mirnock, gehört natürlich zu meinen ganz persönlichen Hotspots. Startmöglichkeiten in fast jede Richtung und das Hochplateau lädt zum Toplanden, soaren und biwakieren ein.

Sonst mag ich vor allem Touren bei denen ich auch mal die Hände brauche um vorwärts zu kommen. Felsendurchsetzte Gipfelaufbauten, oder kleine Kletterpassagen lassen mein Herz höher schlagen.

z.B. Mittagskogel Ost – und Westgrat, Spitzegel Überschreitung, Hohe Leier Ostgrat, Multereck, Sinnabel, … und manchmal ergeben sich aus „einfachen“ h&f Touren wunderschöne Streckenflüge. z.B. Start Sinnabel mit anschließendem Flug die Dachstein Südwand entlang, Start am Naßfeldriegel zu einem Herbstabgleiter der dann zu einem Mölltaldreieck wird … hin und wieder ergänzen Pickel, Steigeisen und ein Seil die Ausrüstung, wenn‘s etwas höher hinauf geht. Eine Hochtour allein ist schon etwas Besonderes, aber wenn man dann wie ein Vogel in dieser Höhe einfach entschwebt – das Gefühl ist unbeschreiblich!

2) Anforderungen an den Piloten:

a) sichere Beherrschung der Starttechniken (vorwärts und rückwärts). Die Startplätze sind im alpinen Raum nicht immer schulungstauglich und wenn dann jemand bei 20 km/h, oder mehr Wind versucht auf einem Grat vorwärts zu starten, kann das Ganze ziemlich schnell gefährlich werden. (Leider schon gesehen)

b) ehrliche, objektive Selbsteinschätzung bei der Wahl der Tour. Wenn man physisch und psychisch komplett am Ende am Gipfel ankommt, ist das nicht die beste Voraussetzung, um dann bei einem anspruchsvollem Start schnell und richtig zu reagieren.

c) auch beim Landen sollte man sattelfest sein um auch mal bei kleinen, kniffligen Landeplätzen klarzukommen. Es kann schon mal passieren, dass der anvisierte LP nicht erreicht werden kann (zu starker Wind, starkes Sinken, …) dann muss man spontan improvisieren – Waldlichtung, ausgetrocknetes Flussbett, Hanglandung, …

d) am allerwichtigsten finde ich die Kunst auch einfach mal NEIN sagen zu können. Es ist absolut in Ordnung, mal nicht zu starten (Wind für meine Verhältnisse zu stark, Wolken, Nebel – oder wenn das Bauchgefühl einfach nicht passt) und einfach wieder hinunter zu marschieren. Oder einfach mal NUR abzugleiten, weil einem die dunkle Wolke überm SP nicht gefällt.  Auch wenn andere Piloten scheinbar mühelos starten, bzw. sich immer höher schrauben – hier geht es nur um mich – mein Gefühl und meine Sicherheit.

3) Versteckte Gefahren – Erfahrungen an das Boardairrace Aschau:

Leider ist der Umgang mit dem oben erwähnten Bauchgefühl in einem Wettbewerb nicht immer ganz einfach – da werden die eigenen Grenzen schon mal ganz schön verschoben. Meistens geht es ja gut aus, aber leider nicht immer – und ich spreche da aus eigener Erfahrung.

Bei einem „normalen“ Flug wäre ich in dieser Situation landen gegangen. Mein Bauchgefühl passte zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht mehr. Ich war übermüdet und mental für diese Bedingungen (fliegen auf der Südseite, der bayrische Wind pfiff von N drüber und starke, windzerrissene Frühlingsleethermik, die sich hangnah den Berg raufschlängelte) einfach nicht mehr fit genug.

Dann ging alles ganz schnell, ich fiel im Lee aus der Thermik und es ging rasant nach unten. Dem ersten Baum konnte ich noch ausweichen, aber den zweiten habe ich frontal erwischt. Reflexartig klammerte ich mich wie ein Äffchen daran fest. Die Kommunikation mit meinem Supporter, bzw mit der Bergrettung war mangels Handyempfang eine ziemliche Herausforderung. Da ich sehr hoch in einem steilen, felsigen Bereich hing, wurde ich mit dem Hubschrauber geborgen.

Gott sei Dank ist mir nichts Schlimmeres passiert und ein Schirm lässt sich ersetzen. Aber dieses Erlebnis gehört definitiv zu der Art von Erfahrung, die man, bzw. Frau nicht braucht.

Deshalb „Fly safe and have fun“ – auch wenn ihr mal als Einziger, bzw. Erster am Boden steht, dann freut euch – ihr hattet einen schönen Flug, eine gute Landung – und der nächste, tolle Flug kommt schneller als ihr denkt.

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